Auf Corona gebürstet

Schon beim Einsteigen merkte ich, daß die Busfahrerin auf Krawall gebürstet war. Sie ließ sich meinen akkurat entwerteten Fahrschein extra zeigen – so etwas passiert lediglich alle paar Jahre einmal. Ich kann das beurteilen, da ich den Stadtverkehr Lübeck seit rund 50 Jahren mehrmals wöchentlich nutze.

Wenn sie gehofft hatte, ihre forsch vorgetragene Frage „Kann ich mal sehen?“ würde zu einer längeren Diskussion führen, in der sie mal so richtig die Sau rauslassen konnte, mußte sie meine Antwort zutiefst enttäuschen. Statt mich ob ihres ungerechtfertigten Mißtrauens zu beschweren, sagte ich in sanftem Ton: „Natürlich“ und legte den Fahrschein vor. Das würgte jede weitere Diskussion ab.

Erkennbar unzufrieden brabbelte sie etwas vor sich hin, nachdem sie die Echtheit des Fahrscheins sowie seine korrekte Entwertung (die sie selbst verfolgt hatte) widerstrebend anerkennen mußte. Nachdem der Versuch, sich an mir ihr Mütchen zu kühlen, fehlgeschlagen war, fand sie wenig später ein neues Opfer.

Außer ihr befanden sich in dem Wagen außer meiner Wenigkeit (ziemlich weit vorne sitzend) zwei weitere Fahrgäste, beide ziemlich weit hinten – und alle, Fahrerin und Passagiere, in gehörigem Abstand voneinander. Einer der beiden hinteren Herren wagte es, kurzfristig seinen Mundschutz abzunehmen. Der Grund entzieht sich meiner Kenntnis; er wird wohl einen gehabt haben. (Nase putzen? Nur mal verschnaufen? Einmal durchatmen?)

Das entging dem Drachen am Steuer natürlich nicht, der seine Aufmerksamkeit nicht etwa dem Straßenverkehr widmete, wie es angemessen gewesen wäre, sondern die Gesundheits-Gouvernante für die hinteren Sitzplätze spielte.

Demonstrativ stoppte sie an der nächsten Haltestelle (es gab keine Ein- oder Aussteiger) und drückte zunächst auf den „Masken-Knopf“, so nenne ich ihn mal. Über Lautsprecher wird dann eine Ansage abgenudelt, die alle Fahrgäste zur Anlage eines Maulkorbs… oh, pardon, „Mund- und Nasenschutzes“ auffordert.

Natürlich reichte das der Dame Fahrerin nicht, und sie brüllte ins Mikrofon, das gelte für alle, auch für den Herrn da hinten; wenn das nicht gelte, könnte man sich das ja auch alles sparen, quiekte sie. (Soll heißen: „Wir“ – wer aber ist „wir“? – machen das nicht umsonst, und ihr müßt das alle mitmachen.)

Der derart angepflaumte Passagier hatte seine „Maske“ längst wieder angelegt – übrigens ein komplett unwirksamer Stoffetzen, der unter den geltenden Regeln der Erniedrigung vollkommen zulässig ist, aber natürlich keinerlei medizinische Wirkung wie z.B. Infektionsprophylaxe hat.

Der Tonfall der Fahrerin steigerte sich zu einem hysterischen Crescendo, wobei ihre Rolle von der Oberlehrerin zur Polizistin und dann zur Staatsanwältin mutierte. „Der Herr da hinten dürfe“ mal zu ihr nach vorne kommen, damit sie ihm das mal richtig erklärt.

Nach den Tiraden der immer erregteren Fahrerin kam der gescholtene Fahrgast nach vorne, um sich den Kopf waschen zu lassen. Natürlich stand zum Schluß die Drohung mit Rauswurf – nochmal: der Mann hatte seine Maske längst wieder aufgesetzt. Immerhin hatte er einen Punkt: „Wieso tragen Sie eigentlich keine Maske?“, fragte er die in der Tat unmaskierte Fahrerin.

Voreilig triumphierend verwies sie auf ihr „Rollo“, eine Art von der Decke hängende schmale Frischhaltefolie, die das Fahrpersonal von giftigen, bakteriell-viralen Ausdünstungen der Passagiere schützen soll (oder die Passagiere vor den Fahrern?) Nur war, wie bei den meisten Fahrern seit der Einführung dieses Alibi-Schutzes, das Rollo auch in diesem Fall so hoch gezogen, daß es weder für Fahrer noch für Einsteiger irgend einen Schutz bieten konnte.

Peinlich. Aber so dumm sind manche Leute; Personal des Stadtverkehrs Lübeck eingeschlossen.

Selbst in einer tieferen Position hätte diese schmale Plastikfolie, die lediglich Symbolfunktion und die gesamte Breite der Fahrerkabine nicht abdeckt, nicht viel ausrichten können gegen das lautstarke Gekeife und Gekläffe der Fahrerin, das sich über drei Minuten hinweg in den Bus hineinzog.

Wäre sie mit irgendeiner ansteckenden Krankheit infiziert gewesen, hätte ihr widerliches Gekeife uns drei Passagiere womöglich auch angesteckt. Über die resultierende Verspätung des Busses möchte ich mich hier gar nicht erst beschweren.

Verhgessen Sie alles, was ich bisher gesagt habe. Hier kommt der Knackpunkt.

Unstreitig hat die Fahrerin mit ihrem mehrminütigem Geschimpfe mehr Bazillen, Mikroben, Bakterien, Viren etc. in den Bus freigesetzt als der arme Fahrgast, der mal kurz seine Maske absetzte. Das war der Dame egal, der das Einhalten von Vorschriften der Exekutive wichtiger ist als der Schutz ihrer Passagiere, um den es angeblich doch geht.

Keinen ihrer Fahrgäste, und auch nicht sich selbst, hat die Dame vor irgendwelchen Viren geschützt – im Gegenteil, sie hat sich und andere durch ihr hysterisches Gebaren und Dauerpredigen ohne Maske bei hochgerolltem Rollo gefährdet.

Ich hoffe, der Stadtverkehr Lübeck schult sein Fahrpersonal entsprechend, was z.B. das Prinzip der Verhältnismäßigkeit angeht – Maskenpflicht in einem fast leeren Bus, muß man da den verbalen Hammer rausholen; die Polizistin, die Gouvernante, die Oberlehrerin spielen?

Selbst wenn: kann und muß man das dem Kunden nicht in professioneller, unaufgeregter, höflicher, sachlicher Kommunikation vermitteln statt durch selbst eines Waschweibs unwürdigen minutenlangen, garantiert unhygienischen Gekeifes?

Die erwähnte Fahrerin hat mit Sicherheit einen Nachholbedarf in beidem, sowohl im Urteilsvermögen als auch in der professionellen Kommunikation mit dem Publikum. Eine Nachschulung stünde ihr gut zu Gesicht.


Nachtrag 25. Juni 2020

Im angloamerikanischen Sprachraum nennt man diesen Typus weiße, rechthaberische, keifende, belehrende Frau zwischen 40 und 50 „#Karen“ – keine Ahnung, wieso. Im Corona-Zeitalter manifestiert sie sich als königliche Abstandshalterin und Lordmaskenbewahrer, wie sehr schön hier zu sehen:

Internet-Zensur: Die Panik der Meinungsmacher

Mehrere europäische Länder planen neue Eingriffe und Zensur: Die kritische Kommunikation im Internet wird aktuell von diversen Seiten angegriffen. Damit wird an zahlreiche Zensurmaßnahmen der jüngeren Vergangenheit angeschlossen. Ziel der Vorstöße ist nicht die Kriegspropaganda großer Medienkonzerne, sondern die Kritik alternativer Medien. Zwar wird offiziell „rechte Hass-Sprache“ als Adressat definiert, aber der Zensur-Aktionismus kann jeden treffen. Er ist einerseits bedrohlich, andererseits illustriert er die Verunsicherung der Meinungsmacher.

Internet-Zensur: Die Panik der Meinungsmacher (Tobias Riegel auf NachDenkSeiten)

Die finale Zensur

Bloggen, facebooken, twittern, youtuben nur noch mit staatlicher Lizenz

Ein Interview mit einem Medienrechtsprofessor bestätigt, dass es die Bestrebungen gibt, Websitebetreibern, Facebookern, Youtubern, Bloggern, Twitterern und anderen Internetnutzern eine Rundfunklizenz verpflichtend aufzuerlegen und dass dies mit dem neuen Medienstaatsvertrag umgesetzt werden kann: „Das Medienkonzentrationsrecht ist nicht mehr zeitgemäß“

Quelle: Bloggen, facebooken, twittern, youtuben nur noch mit staatlicher Lizenz – Blauer Bote Magazin – Wissenschaft statt Propaganda

Also dann…

ist dieser Blog jetzt ein statisches Archiv, in dem Sie historische Artikel lesen, sonst aber nichts machen können. Neue Artikel und Interaktion gibt es nicht, solange sich die Lage mit dem EU-Datenschutzwahnsinn nicht grundlegend ändert.

Nutzen Sie doch die Gelegenheit, in der Vergangenheit zu stöbern, solange das wenigstens noch halbwegs praktikabel von mir zu betreiben ist. Ewig werde ich auch keine Lust mehr dazu haben.

Neue Artikel, die Sie leider verpassen (es sei denn, jemand gewährt mir Asyl):

  • Was macht eigentlich die Dassault Falcon mit der Kennung VP-CFL (registriert im Steuersparparadies Cayman Islands) auf der Lübecker Landewiese, wo sie mindestens seit dem 15. Mai herumsteht?
  • Wo wurde die Lärmschutzkommission über Flüge über Bad Schwartau und Ratekau belogen? (Belegbar mit aktuellen Daten vom 23. Mai.)
  • Was wird aus der steinzeitlichen Flughafen-Entwässerung, die die Stadt eigentlich nur bis zum 1. Juni dulden dürfte, die deren gesetzlich und vertraglich geforderte Modernisierung aber im Einvernehmen mit der Flughafenbetriebsgesellschaft weiter verzögert?
  • Und Frühjahrsputz, zweiter Teil: was machen eigentlich Dr. Peter Steppe und seine (früheren) Firmen?

Schade, wäre doch ganz netter Lesestoff gewesen.

Aber ich bin dann mal eben weg (trotzdem immer per Email erreichbar).

Der Bürger als Feind: Wie Brüssel und Berlin mit der DSGVO Politik machen

Die neue Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) ist ein Todesurteil für viele Blogger, eine Gefahr für jeden Handwerker, der Geburtstagsgrüße verschickt, ein Risiko für jeden Hobbyfotografen und Fußballverein. Mehr noch –  sie offenbart die Brüssler Haltung: jeder Bürger ein Krimineller.

Quelle: Tichys Einblick

Leben nach der GDPR bzw. DS-GVO

Um vorläufig wenigstens die bisherigen Inhalte dieses Blogs weiterhin im Internet verfügbar zu machen (achteinhalb Jahre Arbeit schmeißt man nicht einfach weg), habe ich etliche Änderungen vorgenommen. Dazu gehört auch eine erweiterte Datenschutzerklärung – bitte lesen Sie sie!

Sie wissen vielleicht, daß das Programm, unter dem dieser Blog läuft, sich WordPress nennt und extrem weit verbreitet ist.  Umso erstaunlicher, daß es die Macher lange Zeit nicht für nötig erachtet hatten, das Programm gegen den Brüsseler Datenschutzwahn zu wappnen. Erst in den letzten Wochen gab es verzweifelte Anstrengungen dazu.

Noch schlimmer ist die Lage bei Plugins, Programmteilen also, die von Drittanbietern stammen. Da blieb mir nach Lage der Dinge nichts weiter übrig, als diese Plugins zu deaktivieren, da ich nicht weiß, inwieweit sie DS-GVO-kompatibel sind.

„Leben nach der GDPR bzw. DS-GVO“ weiterlesen

Danke, das war’s!

Am 25. Mai tritt das neue Bundesdatenschutzgesetz in Kraft, in Verbindung mit der europäischen General Data Protection Regulation (GDPR). Grund genug, diesen Blog zu schließen. Gegen diese Bürokratie kann ein Einzelkämpfer nicht mehr angehen.

[Nachtrag vom 20.  Mai 2018: Bevor falscher Jubel in Fanboy-Kreisen aufbraust: natürlich werde ich die Lübecker Landewiese auch weiterhin meiner gewohnt liebevollen Beobachtung unterziehen, da ändert sich nichts. Auch werden die Web-Seiten blankensee.info und blankensee.info nicht abgeschaltet.]

„Danke, das war’s!“ weiterlesen

Neuer Kunde für das Lärmklo Blankensee: Ju 52

Eine neue Variante des Lärmterrors durften Blankensee, Groß Grönau und sicherlich auch weite Teile der näheren Umgebung am 14. Mai erleben: das Gedröhne des Wehrmachtkleppers Ju 52 neun Stunden lang, zeitweise im 7-Minuten-Takt. So etwas habe ich selbst als langjähriger Anwohner hier noch nicht erlebt.

„Neuer Kunde für das Lärmklo Blankensee: Ju 52“ weiterlesen

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